Den Häusern unter die Haut geschaut

Die Dämmung der Fenster wird getestet
Foto: B. Hirschberg

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Gerade ältere Gebäude haben eine schlechte Energieeffizienz und verlieren viel Wärme im Vergleich zum Neubau. Die höheren Heizkosten belasten die Haushaltskasse und die Umwelt. Eine energetische Gebäudesanierung zahlt sich aus.

Neue Energiequelle für Einfamilienhaus

Kenny Meier ist Energieberater des Sieverner Unternehmens „Meier & Rinas Energieexperten“. Heute ist er zu Besuch in einem 50 Jahre alten Einfamilienhaus in Spaden. Dort soll die alte Ölheizung raus und durch eine nachhaltige Wärmequelle ersetzt werden. Welche genau, weiß die Besitzerin noch nicht. Sie wünscht sich vorab einen Sanierungsfahrplan.

Altbauten ohne Vorgaben gebaut

„Deswegen nehme ich heute die Energetik des Gebäudes unter die Lupe“, sagt Kenny Meier. Das Haus wurde Ende der 1960er Jahre erbaut. „In Sachen Wärmeschutz gab es in Deutschland erstmals 1979 eine Verordnung – davor wurde alles ohne Vorgaben gebaut“, berichtet der unabhängige Gebäudeenergieberater, der zudem auch Anlagenmechaniker und Schornsteinfegermeister ist. „Es stellt sich also auch die Frage, ob hier in den vergangenen Jahren etwas energetisch erneuert wurde, beispielsweise die Fenster.“

Erste Fragen werden geklärt

Während des zunächst geführten Beratungsgespräches fließen viele Fragen sowohl an Meier als auch an die Kundin mit ein: Was wünscht sie sich? Welche Möglichkeiten gibt es? Wie viel soll investiert werden, und was macht für die kommenden Jahre unter Berücksichtigung aller Aspekte und Wünsche den meisten Sinn? „Danach richtet sich der Beratungsbericht, der sogenannte Sanierungsfahrplan, den ich aus den heutigen Ergebnissen heraus erstellen werde“, berichtet Meier, der die Kundin auch über Fördermöglichkeiten der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und dem BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) informiert. „Ich kann demnach nie jemandem das Gleiche raten, was er tun kann, weil es sehr individuell ist.“

Ermittlung des U-Werts

Nach dem Gespräch folgt Meier der Besitzerin in das erste Stockwerk, hinein in einen Raum mit Dachluke. Es geht die schmale Treppe hinauf und vorbei an Spinnweben auf den engen Dachboden. Ein wenig Licht dringt durch das kleine Fenster. Auf Knien bewegt sich Meier tiefer in den Raum hinein und er nimmt mit einer Taschenlampe die Dachschrägen ins Visier. „Eine Dämmung ist vorhanden“, stellt Meier fest und misst mit einem Zollstock die Dicke des Dämmmaterials und den Abstand zwischen den einzelnen Balken. „Je dichter die Balken aneinander sind, desto weniger Dämmung“, erklärt er. Die Maße sind wichtig zur Ermittlung des U-Wertes. „Dieser ist ein Maß dafür, wie viel Energie durch ein Bauteil nach außen verloren geht und gibt Auskunft über die Wärmedämmung.“

Lasergerät hilft bei der Vermessung

Der Laser hilft beim Vermessen In den Räumen darunter geht es mit dem Vermessen weiter. Diesmal allerdings nicht mit einem Zollstock. „Mit einem Laser-Vermessungsgerät geht das schneller“, sagt der Energieexperte und notiert die jeweiligen Raumgrößen, den Abstand vom Boden bis zur Decke sowie die Himmelsrichtungen, nach denen die Räume und Fenster ausgerichtet sind. Auch die Dachfenstermaße schreibt er auf. „Diese sind oft nicht in den Bauplänen eingezeichnet“, erklärt er und öffnet eine kleine Tür zu einer Abseite. Mit der Taschenlampe leuchtet er in die Dunkelheit hinein und überprüft, ob und in welcher Form in dem Kriechraum unter der Dachschräge ein Dämmschutz gegeben ist.

Ältere Gebäude sind oft eine Herausforderung

Anschließend geht es zurück ins Erdgeschoss. Dort öffnet Meier ein Fenster, um die Dicke der Außenwand messen und ihre Beschaffenheit überprüfen zu können. „Ich war schon in Häusern, wo die Steine nach dem Krieg noch selber gegossen wurden“, erzählt er. „Oder in Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert, für die keinerlei Dokumente mehr existieren. Da greife ich dann auf die Typologie zurück, um Vergleichswerte zu haben.“ Das sei aber selten der Fall.

Fahrplan hilft bei Sanierung

Im Keller wird die alte Ölheizung inspiziert. „Jeder, der noch so ein Ding im Keller stehen hat, sollte einmal darüber nachdenken, ob für ihn nicht auch ein Sanierungsfahrplan infrage kommt“, meint Meier, der auch hier seinen Laser-Zollstock zückt und von jedem Raum die Maße nimmt. An den Decken fallen ihm die Styroporplatten auf, so dass eine gewisse Dämmung zwischen dem kälteren Untergeschoss und dem Erdgeschoss vorhanden ist. Der Energieberater notiert sich alles, was für den Fahrplan von Bedeutung ist. Etwa 50 Seiten werde dieser enthalten. „Drei wesentliche Faktoren zum Gebäude werden darin wiedergegeben: der Primärenergiebedarf, der geprägt von der Art der Wärmeerzeugung ist, der Transmissionswärmeverlust, der angibt, was an Energie nach außen verloren geht, sowie der Endenergiebedarf für das gesamte Gebäude“, zählt Meier auf, der sich nach etwa zwei Stunden von der Kundin verabschiedet. Sobald der Sanierungsfahrplan fertig ist, wird er sich mit der Hausbesitzerin ein weiteres Mal zusammensetzen, um mit ihr passende Sanierungsmaßnahmen gezielt besprechen zu können.

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