Sorgen vor steigenden Zinsen – so beurteilen Experten die Lage

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Für Immobilienkrediten zeichnet sich eine Trendwende ab. Die bisher niedrigen Bauzinsen steigen wieder an. Kreditnehmer können aber die Folgen oft abfedern. Wir sprachen dazu mit dem Finanzexperten Ulf Krauss von der Capital Market Research & Economics der Helaba.

Herr Krauss, die Inflation wird derzeit mit steigenden Preisen für Rohstoffe, Energie und viele Lebensmittel immer weiter angetrieben – welche Auswirkungen hat das auf den Zinsmarkt?

Die EZB stuft den Inflationsanstieg als temporäres Ereignis ein und versucht damit die Zinserhöhungsfantasie klein zu halten. Den Anstieg der Kapitalmarktzinsen kann sie damit zwar nicht stoppen, jedoch vermutlich spürbar abbremsen.

Gibt es eine Tendenz für die Bauzinsen?

Die Renditen 10-jähriger Pfandbriefe sind innerhalb eines Jahres um rund einen halben Prozentpunkt gestiegen. Der Aufwärtstrend ist klar erkennbar. Nimmt man die letzten zwei Jahre jedoch als Vergleichsmaßstab, so bewegen sich die Zinsen immer noch auf einem Seitwärtskurs. Ähnliches gilt für Hypothekenzinsen.

Strebt die Europäische Zentralbank eine Zinswende an, also die Abkehr vom günstigen Geld?

Sowohl ein Kurswechsel – der den Namen auch verdient – als auch eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik sind Entscheidungen mit schwer kalkulierbaren Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Finanzmärkte und letztlich die politische Stabilität der Eurozone. Die Bereitschaft zu Zinsanhebungen ist daher im EZB-Rat schwach ausgeprägt.

„Kreditnehmer, die Kreditverträge mit langer Laufzeit
abgeschlossen haben, brauchen sich zum jetzigen
Zeitpunkt naturgemäß wenig Sorgen zu machen.“

Finanzexperte Ulf Krauss

Kann es einen Punkt geben, an dem die Europäische Zentralbank kein günstiges Geld mehr vergibt?

Die EZB ist Überlegungen dazu bislang klar entgegengetreten. Zu bedenken ist ebenfalls, dass selbst im Falle mehrerer kleiner Zinsschritte immer noch historisch relativ günstig Finanzierungsbedingungen herrschen dürften.

Kann ich mich als Sparer über steigende Zinsen freuen?

Die Geldmarktsätze werden vermutlich noch lange Zeit negativ bleiben. An den Kapitalmärkten gibt es aber Bewegung. Notierten Anfang September noch keine Pfandbrieflaufzeiten im positiven Renditebereich, so weisen aktuell Laufzeiten über fünf Jahren nominal positive Erträge auf. Inflationsbereinigt werden Rentenpapiere aber noch sehr lange ein Verlustgeschäft bleiben.

Welche Folgen haben Zinssteigerungen für Kreditnehmer, die noch viele Jahre Kredite bedienen müssen?

Kreditnehmer, die Kreditverträge mit langer Laufzeit abgeschlossen haben, brauchen sich zum jetzigen Zeitpunkt naturgemäß wenig Sorgen zu machen. Bei kurzen Laufzeiten und variablen Krediten sieht die Sache nicht ganz so entspannt aus. Allerdings solange die EZB das Niedrigzinsumfeld mit aller Macht verteidigt, so lange dürfte sich der Zinsanstieg in Grenzen halten.

Was müssen Immobilienanleger künftig genauer prüfen und worauf sollten sie jetzt achten?

Die für die meisten Menschen größte Investition ihres Lebens sollte stets sehr genau geprüft werden – künftig wie auch bisher. Dies gilt insbesondere angesichts des inzwischen erreichten sehr hohen Preisniveaus am deutschen Wohnungsmarkt. Korrekturen sind in den nächsten Jahren nicht auszuschließen. Auch sollte bei der Finanzierung beachtet werden, dass bei einer künftigen Refinanzierung vermutlich höhere Zinsen zu zahlen sind. Entsprechend sollte ein ausreichend hoher Sicherheitspuffer eingeplant werden und die Fremdfinanzierungsquote nicht zu hoch sein.

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