Umbauen statt Wegreißen – so kann Altbau geschickt verjüngt werden

Familie beim Renovieren
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Für die nachhaltige Nutzung eines Altbaus setzt der Dipl.-Ing. Wilke-Bernd Wiedenroth auf den Ansatz der Vermeidung: „Sie ist die kostengünstigste Maßnahme zur Reduzierung des Energiebedarfs“, sagt der Architekt. Er erklärt, welche Maßnahmen darüber hinaus effektiv sind und was nachhaltiges Bauen ausmacht.

Stichwort „Vermeidung“: Können Sie Beispiele dazu nennen?

Alternativ zur kostspieligen Umrüstung kann ein Gebäude mit einfachen Umsetzungen nachhaltig genutzt werden. Dazu kann man sich beispielsweise folgende Fragen stellen: Kann die Raumtemperatur gegebenenfalls um ein paar Grad abgesenkt werden? Muss die Warmwasserzirkulation wirklich 24 Stunden in Betrieb sein? Verfügt die Heizungsanlage über eine Nachtabsenkung und ist diese auf das Nutzerverhalten optimiert?

Welche Maßnahmen gibt es darüber hinaus?

Neben dem Ansatz der Vermeidung ist das Ausschöpfen von passiven Maßnahmen notwendig: Besteht die Möglichkeit durch beispielsweise gläserne Pufferzonen in den Übergangszeiten Wärme zu gewinnen? Kann durch einfache Wärmedämmmaßnahmen die Energetik des Gebäudes ohne Schädigung der Bausubstanz verbessert werden (beispielsweise durch eine aufgelegte Wärmedämmung auf die obere Geschossdecke)?

Zuletzt ist die anlagentechnische Seite zu betrachten: Warmwassererwärmung durch Solaranlagen, Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen, Beheizung des Gebäudes über Wärmepumpen unter Zuhilfenahme des eigenerzeugten Stromes. Auch durch geschicktes Kombinieren verschiedener passiver Maßnahmen lassen sich wirtschaftlich deutliche Verbesserungen in der Energetik erreichen. Aufgrund des Aufwandes und der zu erwartenden technischen Nutzungsdauer habe ich hier meine Zweifel, ob immer mehr Technik und Aufwand zielführend ist. Bei den Elektroautos heißt es daher „vor Ort emissionsfrei“. Es lohnt sich darüber nachzudenken, warum die generell prognostizierten Einsparziele regelmäßig verfehlt werden.

„Durch geschicktes Kombinieren verschiedener passiver
Maßnahmen lassen sich wirtschaftlich deutliche
Verbesserungen in der Energetik erreichen.“

Dipl.-Ing. Wilke-Bernd Wiedenroth

Worin besteht grundsätzlich der Unterschied zwischen nachhaltigem und konventionellem Bauen?

Dem Begriff „konventionellen Bauen“ haftet etwas Gestriges an – heute bauen wir modern und eben „nachhaltig“. Wenn wir uns die Konstruktion eines Bauernhauses, das Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, anschauen, werden wir feststellen, dass diese Gebäude durchaus nachhaltig gebaut wurden. Sie sind in ihrer Errichtung schadstofffrei, mit einem hohen Anteil natürlicher Baustoffe ausgestattet und bereiten im Recycling wenig Probleme. Irgendwann ab Mitte des 20. Jahrhunderts, mit der Einführung moderner Baustoffe, tauchten die Probleme auf, deren Lösung heute ansteht: Nicht lösbare Verbundmaterialien oder Faserstoffe, die heute aufwendig im Rahmen von Schadstoffsanierungen zu entsorgen sind, sind beispielhaft zu nennen.

Was sind demnach nachhaltige Baustoffe?

Die Nachhaltigkeit eines Baustoffes ist immer dann gegeben, wenn lange Nutzungsdauer, einfache Herstellung und eine hohe Recyclingquote zusammentreffen. Dies ist zum Beispiel bei einer mehrschichtigen Mauerwerkswand aus gebrannten Ziegeln der Fall. Betrachten wir Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus, werden diese Baustoffe auch im Falle des Rückbaus einen erheblichen Wert darstellen.

Was gibt es beim nachhaltigen Bauen – bezogen auf den Lebenszyklus – zu beachten?

Einige der zu beachtenden Punkte sind: Die Verwendung natürlicher Baustoffe, wo immer möglich; die Verwendung von Baustoffen mit hoher Recyclingquote (außerhalb der Thermischen Verwertung); die Vermeidung von nicht lösbaren Verbindungen, einfache Demontierbarkeit; die Vermeidung von Verbundmaterialien wie  faserverstärkte Kunststoffe; die Senkung des Energieverbrauchs durch passive Maßnahmen wie einer zeitgemäß gedämmten Gebäudehülle oder vorgelagerter Pufferzonen.

Zusammenfassend gesehen: Was sind die entscheidenden Faktoren?

Wir müssen den Gebäudebestand als Materialressourcen erkennen und diese wertschätzen – ihn über seinen gesamten Lebenszyklus bis hin zum Rückbau betrachten.

Vor diesem Hintergrund sind alle aktiven Maßnahmen der Energieeinsparung mit einer mittleren Nutzungsdauer neu zu bewerten. Durch  eine intelligente, vorausschauende Planung müssen wir sicherstellen, dass die Gebäude über ihren eigentlichen Nutzungszweck einfach einer Nachnutzung zugeführt werden können.

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